franz josefs kai 3

Haus 

Das Haus wurde auf dem Terrain der ehemaligen Kaiser Franz-Joseph-Kaserne gebaut, die gemeinsam mit der Rossauer Kaserne das Stadtzentrum militärisch kontrollierte. Die Kaserne, die das Areal zwischen Kai, heutigem Ring, Dominikanerbastei und Karl Lueger Platz einnahm, wurde zwischen dem 5.3.1900 und dem 4.2.1901 im Zuge der sog „Kasernentransaktion“ abgerissen, das Terrain parzelliert und an Immobilieninvestoren mit der Verpflichtung verkauft, auf dem Terrain Bürgerhäuser zu errichten, was bis 1913 geschah. Die „Kasernentransaktion“ ermöglichte die Vollendung der Wiener Ringstraße in diesem Abschnitt (Stubenring) (Quellen: Wikipedia Einträge „Wiener Ringstrasse“ und Franz-Joseph-Kaserne):

Die Parzelle wurde am 15.4.1904 von den Stadtbaumeistern und Brüdern Viktor und Adolf Schwadron im Rahmen der Kasernentransaktion erworben. Laut Bauplänen wurde das Haus 1904 errichtet. Als Architekt scheint im Architektenlexikon des Architekturzentrums Wien www.architektenlexikon.at) Julius Goldschläger auf. Das Haus ist ein „Durchhaus“ mit insgesamt 3 Adressen: Franz Josefs Kai 3, Wiesingerstrasse 3 und Neubachbrücke 1107 (Grund für die dritte Adresse unbekannt)

In den nunmehrigen Galerieräumlichkeiten hatte seit 1904 die von den Stadtbaumeistern Viktor und Adolf Schwadron gegründete Bau-und Keramikfirma „Brüder Schwadron“, die auf Hochbauten und Kanalisierungen spezialisiert war, ihr Büro (sie zeichnen ua für die Verfliesung des Dianabads und des Amalienbads verantwortlich). Der mittlere Raum war ein abgehängter „Zeichensaal“ eingezeichnet. Die Firma Schwadron mietete die Räumlichkeiten bis in die 70er Jahre, danach mietete sich Wiesingerstrassen-seitig eine Autowerkstätte und ein Labor und Kai-seitig Viennatone ein.

Der Sohn von Viktor Schwadron, Architekt Ernst Schwadron (1896-1979), hatte im Gebäude im fünften Stock auf der Kaiseite eine Wohnung, die er 1933 gestaltete (siehe www.architektenlexikon.at sowie www.deu.archinform.net). Ernst Schwadron besuchte 1918-1919 die Kunstgewerbeschule Wien (Keramikklasse Michael Powolny) und arbeitete von 1919-1938 als freiberuflicher Architekt und Designer (Innenausstatter) in Wien. Er arbeitete unter anderen mit Vally Wieselthier zusammen (ebenda). Er wurde gezwungen in die USA zu emigrieren, wo seine Designs in New York von Rena Rosenthal, Inc. Vertrieben wurden. Das MAK hat Möbel und Holzarbeiten von Ernst Schwadron in seiner Sammlung (Margarethe Winterling: Ernst Schwadron 1896-1971. Ein Vergessener der Moderne. Leben und Wirken des Wiener Architekten, seine Wiener Zeit (bis 1938) mit Schwerpunkt auf den Umbau und die Neugestaltung der Wohnung Veithgasse 9 (Diplomarbeit, Institut für Kunstgeschichte Wien, Prof. Haiko 2002).

1933 verkauften die Brüder Schwadron das Haus an die Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix, welche das Haus ihrerseits 1936 an die Voreigentümer des nunmehrigen Eigentümers verkaufte.

Zwischen Dezember 1935 und März 1938 wurden die Kai-seitigen Räumlichkeiten vom Verein Jüdisches Kulturtheater bespielt; Segal/Ungar-Klein, Jiddisches Theater in Wien (2004), S 11 ff.

Im Krieg wurden die Aspernbrücke und das benachbarte Hotel Atlashof sowie umliegende Häuser arg zerbombt, das Haus selbst blieb weitgehend unversehrt.


Hotel Atlashof, dahinter Franz Josefs Kai 3
Hotel Atlashof, dahinter Franz Josefs Kai 3

Fassade vor dem Umbau von 2010
Fassade vor dem Umbau von 2010

Fassade nach dem Umbau
Fassade nach dem Umbau

Aktuelle Fassadenansicht vom Donaukanal
Aktuelle Fassadenansicht vom Donaukanal